Was ist es, was Jahr für Jahr tausende von Besuchern dazu bringt, historische Stätten wie Schlösser, Burgen oder auch ehemalige Klöster aufzusuchen? Eine mögliche Antwort könnte die Aussage des Tübinger Philosophen Ernst Bloch ermöglichen: Er postulierte eine „Sehnsucht nach dem ganz Anderen“ – als eine fundamentale Triebkraft, die jedem Menschen innewohnt und auf ein Zukünftiges, Wünschenswertes, eine positive Zukunftsvision ausgerichtet ist. Vielleicht kann man es aber auch abwandeln in eine Sehnsucht, sich in etwas grundlegend Verschiedenartiges von der im Hier und Jetzt erlebten Lebenswelt hineinzuversetzen.
Als Fotograf reizt mich an Klöstern und an Kirchen die architektonische Ausrichtung der Gebäude an eine Idee und die dadurch entstandene besondere Atmosphäre der Räume. Diese wandelte sich sicher im Laufe der Zeit von der Romanik der frühen Klosterbauten über die Gotik bis zum Barock, aber insgesamt spiegeln die Bauelemente etwa des Kreuzgangs, des Refektoriums, des Dormitoriums und natürlich der Kirchenraum diese strenge Unterordnung unter die klösterlichen Ideale sehr eindrücklich wider. Bei meinen Besuchen mit der Kamera versuchte ich, die besondere Atmosphäre dieser Gebäude durch die Wahl der Bildausschnitte, im Spiel von Licht und Schatten, Schärfe und Unschärfe in Farbe und oft auch in monochromen Fotos einzufangen.
Das Kloster Maulbronn
Unter soziologische Perspektive stellt das Kloster im Mittelalter – besonders in der jeweiligen Frühzeit der Orden – durchaus einen grundsätzlichen Gegenentwurf zu unserem heutigen Leben dar. Es ist hier nicht der Ort, um dies detailliert zu beleuchten, genannt seien hier nur einige begriffliche Gegensatzpaare, welche die Unterschiedlichkeit beleuchten: Hingabe an eine Idee versus Selbstverwirklichung, Gottergebenheit versus Selbstwirksamkeit, Kooperation versus Konkurrenz, Askese versus Hedonismus, Gehorsam versus Autonomie – bei genauer Betrachtung ließen sich noch viele weiterer Paare finden.
Maulbronn stellt unter diesem Aspekt einen besonderen Glücksfall dar. Das 1147 gegründete Kloster Maulbronn ist eine ehemalige Zisterzienserabtei und gilt als die am besten erhaltene mittelalterliche Klosteranlage nördlich der Alpen. Hier sind alle Stilrichtungen und Entwicklungsstufen von der Romanik bis zur Spätgotik vertreten. Die Deutsche UNESCO Kommisson begründete die 1993 erfolgte Aufnahme des Klosters in die Liste des Weltkulturerbes:
In seiner Gesamtheit ist Maulbronn weltweit ein Einzelfall, der es ermöglicht, ein zuverlässiges Bild von zahllosen zerstörten Klosteranlagen zu rekonstruieren. Die zwischen dem 12. und 16. Jahrhundert erbauten Hauptgebäude sind von starken Mauern umgeben und wurden zu einem prägenden Merkmal der umgebenden Landschaft. Insbesondere die Klosterkirche beeinflusste die Ausbreitung der gotischen Architektur über weite Teile Nord- und Mitteleuropas. Der mittelalterliche Grundriss und Bau des für die Tradition der Zisterzienser typischen Zentralgebäudes ist nahezu vollständig. Bis ins Detail lassen sich Leben und Arbeit des Zisterzienserordens vom 12. bis 16. Jahrhundert veranschaulichen. Der Innenhof des Klosters ist noch immer von Türmen umgeben, die über die Unterkünfte und Nebengebäude sowie eine Verteidigungsmauer von etwa einem Kilometer Länge hinaus ragen. Seit der Reformation wurden nur das Refektorium der Mönche und die Schlafräume der Laienbrüder umgestaltet. Die dreischiffige Basilika, der älteste Teil der Anlage, wurde 1178 geweiht. Im getrennten Mönchschor zeigt das aus dem 15. Jahrhundert stammende Chorgestühl mit seinen 92 Plätzen den Umfang des Klosters in dieser Zeit. Die Einrichtungen, die zur Versorgung eines Klosters benötigt wurden, befinden sich innerhalb der Anlage.
Equipment:
Olympus OM-D-M5, Olympus 1.8/45mm, Olympus 1.8/17mm














































































































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